Streunerhunde

 

Die achtziger Jahre haben in Rumänien dramatische Änderungen mit sich gebracht. Mit der Industrialisierungswelle waren tausende Rumänen gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen und in die Städte zu ziehen. Bukarest wurde von einer Zerstörungswut erfasst: Häuser und Höfe mussten den Betonblocks der neuen Bezirke Platz machen.

Und mehr und mehr streunende Hunde tauchten plötzlich in den Straßen der Stadt auf … Umherstreifende, verschreckte Tiere, die nicht verstanden, warum sie ausgesetzt worden waren. Langsam gewöhnten sich die Bukarester an die Streuner, sodass ihnen mit der Zeit gar nicht mehr auffiel, wie sehr deren Anzahl wuchs und tagtäglich neue "Gesichter" auftauchten.

Ab und zu konnte man Autos von Hundefängern sehen, welche die Hunde auf den Straßen einzufangen versuchten. Die heutige Situation zeigt allerdings deutlich, dass dies keine Lösung gewesen ist.

In den neunziger Jahren entstanden in Rumänien schließlich die ersten Tierschutzorganisationen. Jede von ihnen versuchte, eine Lösung für die Streunerhunde zu finden, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Im Jahr 2000 brachten die VIER PFOTEN dann eine mobile Klinik nach Bukarest und starteten ein Projekt zur Kastration und Markierung der Streuner.

Am 1. März unterzeichneten VIER PFOTEN und Brigitte Bardot einen Vertrag mit Bürgermeister Traian Băsescu: Dieser Vertrag sah die Kastration möglichst aller Streunerhunde vor.

Die Stadtverwaltung und die Organisationen investierten in dieses Projekt: die Kastration, Impfung, Markierung und Rückführung der Streuner. Bis 19. April 2001 wurden 3.000 Hunde kastriert, mehr als in sechs Monaten zuvor.

Am 19. April ordnete Traian Băsescu allerdings ”die Liquidierung" der Streunerhunde an. Damit wurden ein Vertrag, ein Wahlversprechen und ein Beschluss des Stadtrates gebrochen.

Die Hundefänger kehrten auf die Straßen zurück, um die Hunde mit aller Brutalität einzufangen. Personen, die versuchen, die Tiere zu schützen, werden beschimpft und sogar körperlich angegriffen.

Und die Macht der Hundefänger ist nur so groß, weil der Oberbürgermeister hinter ihnen steht, ein Mann, der seine Versprechen bricht und der Gesetze missachtet.

Es werden kastrierte, geimpfte und zahme Hunde, ja sogar Haustiere, gefangen und getötet. Auf diese Weise wird das Geld der Organisationen und Menschen vergeudet, die mit der Kastration der Tiere befasst sind.

Seit April wüten die Hundefänger nun bereits in der Stadt. Gemäß Erlass ist die ”Liquidierung” 24 Stunden nach dem Fang vorgesehen. Die Hunde werden jedoch sofort nach der Ankunft in den Lagern auf grausamste Weise getötet. Wer einen Hund aus der Hand der Hundefänger retten möchte, muss dafür bezahlen. Die Einkünfte der Hunde fangenden Rathausangestellten gehen so wöchentlich in die Millionen. Und wo die Fänger keinen Erfolg haben, legt "irgendjemand" eben Gift aus.

Mit dem Ziel, das Töten der Streunerhunde zu beenden, begannen die VIER PFOTEN am 15. Oktober des Jahres die Kampagne "Hunde fühlen Menschen. Was fühlen Menschen?"